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Eine kleine Geschichte über die Bolle-Meierei
14.12.2010
Im September 1879 entstand im Garten von Herrn Carl Bolle der erste Milchausschank, der dank der Nähe zum Zoologischen Garten sehr gut lief und schnell den Namen „Milchgarten“ erhielt.
Doch im Winter ließ die Laufkundschaft nach und Carl Bolle bemerkte, dass er seinen Kunden einen zusätzlichen Service bieten konnte, indem er die Milch bis vor die Haustür lieferte. 1881 gründete er einen Meiereibetrieb, die „Provincial-Meierei C. Bolle“, die in den kommenden Jahren den Milchmarkt der Hauptstadt dominieren sollte.
1907 betrug in Berlin der Gesamtmilchverbrauch 880.000 Liter. 120.000 Liter davon lieferte die Bolle-Meierei und konnte damit auf einen Marktanteil von etwa 14 Prozent verweisen. Carl Bolle erkannte die Wichtigkeit
von Reklame und bewarb sein Unternehmen und dessen Produkte auf vielfältige Weise: Durch Plakate an den Milchwagen, an Litfasssäulen und in den Bahnhöfen, durch Versand von Preis- und Werbezetteln,
durch Ankündigungen von Sonderaktionen auf den Rechnungsformularen und durch Inserate in Hausfrauenzeitschriften wie der „praktischen Berlinerin“. Bolle veranstaltete außerdem Betriebsführungen
und Werbung auf Lebensmittelausstellungen. Das damals entwickelte Logo des Unternehmens wird bis heute in nur leicht abgewandelter Form verwendet.
Carl Bolle wurde 1909 für seine Verdienste geehrt und erhielt den Titel des Geheimen Kommerzienrates. Sich zum „von Bolle“ adeln zu lassen, lehnte er jedoch dankend ab. Am 28. September 1910 starb Carl Bolle im Alter von 78 Jahren.
Und wie ging es mit der Meierei Bolle weiter? Im Ersten Weltkrieg wurde die Milch in Berlin knapp und die Melkbetriebe schrumpften. Die „Provincial-Meierei Bolle“ fusionierte mit der „Meierei und Milchkuranstalt Schweizerhof“. Die Eigentümerdynastie Bolle wurde von der rheinländischen Dynastie Wehrhan abgelöst, die emotionale Bindung der Eigentümer an Belegschaft und Betrieb ging verloren.
Die „Wehrhans“ führten die Bolle Meierei siebzig Jahre lang, wobei sich das Gewicht immer mehr von den Tourenwagen weg und zu Filialen hin verlagerte – nach dem 2. Weltkrieg verschwanden die Milchwagen
schließlich ganz aus dem Stadtbild.
Die Gebäude der Meierei wurden im 2. Weltkrieg zu 60 Prozent zerstört und verfielen zunehmend. 1969 wurde die Bolle-Meierei aufgegeben und wandelte sich zu der Lebensmittel-Filialkette, wie sie heute bekannt ist.
1983 riss man Teile der Meierei ab und das Gelände wurde für Lagerzwecke genutzt. Bis zum Ende der achtziger Jahre war es eine Stadtbrache geworden. Ende des letzten Jahrhunderts wurde der Charme des Geländes und die einmalige Lage jedoch wiederentdeckt.
Seit den neunziger Jahren ist das Gelände der ehemaligen Bolle-Meierei eine der besten Geschäftsadressen der Stadt und steht exemplarisch für das neue, boomende Berlin. Der „Spreebogen“ ist heute ein Dienstleistungszentrum, das neben dem Bundesministerium des Inneren zahlreiche Hotels und Restaurants beherbergt. Teile der ehemaligen Bolle-Meierei sind erhalten geblieben, architektonische Details wurden aufwendig restauriert, um den ursprünglichen Charakter mit modernster Architektur zu verbinden.
So wie damals Bolles Pferdefuhrwerke die Milch auslieferten, so rollen heute die Hemme Milch Autos durch Brandenburg und Berlin.




